Literaturcafe Troisdorf e.V.


Maggy Ziegler

Maggy Ziegler, geboren 1957 in Bretten/Baden, studierte zunächst in Aachen Kunstgeschichte. Sie gab diese brotlose Kunst zugunsten eines Broterwerbs auf, tritt aber inzwischen neben ihrer Arbeit im Sekretariat freiberuflich auf: Seit 2003 als Kabarettistin (mit selbst geschriebenen Programmen) zusammen mit ihrem Mann, Paul Krevel, seit 2007 aber vor allem als Märchenerzählerin Griseldis. Schon während der Schulzeit verfasste sie Gedichte und Geschichten, ihrer Leidenschaft für das Volksmärchen blieb sie immer treu und ist inzwischen auch Mitglied der Erzählergilde der Europäischen Märchengesellschaft.

Maggy Ziegler

Leseprobe(n)

Fee – und die Angst vor der Anderswelt

Werner, verh. 52 Jahre, Bungalow, 2 erw. Söhne, mittleres Management - Schau Dich um, Mann, da geht eine Fee

Aus dem Reiche der Feen kommen Frauen,
die strahlen vor Freude von innen heraus.

Das Reich der Feen kennt keine Mauern
Wie ein Vogel - so frei - fliegst Du ein und aus.

Missachtung, Dummheit und Ignoranz,
können die Feenwelt niemals zerstören.
Auch wenn Du sie nicht siehst beim Tanz
Des Zaubers kannst du dich nicht erwehren.

Eine Fee ist geboren, um Liebe zu geben,
Spür' sie, erleb' sie, und wenn Du sie liebst,
wirst Du Zärtlichkeit, Lust und sprühendes Beben,
erfahren da, wo Du Liebe ihr gibst.

Doch Wandrer, Vorsicht im Feenreich.
Es hat seinen Zauber, es macht Dich weich!
Es macht Dich offen, verletzlich und reich.

Eine Fee berührt Dein Herz nur sehr zart.
Du spürst es kaum, doch Dein Stolz hat verloren.
Eine Zärtlichkeit der besonderen Art,
so fast ein bisschen wie neu geboren.

Doch Du stehst darüber, es ist nur ein Spiel.
Du glaubst, Dir ist gar nichts passiert.
Es war ja sehr schön, aber "schön" ist so viel.
Und Du bist doch so fest etabliert.

Es gibt zwar Zeichen, doch die siehst Du nicht
Oder willst sie einfach nicht sehen.
Nein, keine Sorge, sie hält Dich nicht,
Du kannst jederzeit wieder gehen.

Sie zeigt ihre Trauer,
belügt Dich nicht.
Du baust Deine Mauer,
verstellst Dir die Sicht.

Doch die Veränderung aus dem Reiche der Fee
sitzt ganz tief drin, wie ein Same in Dir.
Schon erfüllt sie Dich manchmal mit leisem Weh
- Du warst doch so fröhlich mit ihr -

Und langsam begreifst Du
Ein Glück war Dir nah,
wie Du es niemals gekannt.
Doch es gab ja Gründe!
Du sahst alles so klar -
Und bist einfach weggerannt!

Jedoch Kerzenflammen und leise Musik
Und Du siehst ein verliebtes Paar,
zieht‘s Dein Herz schmerzhaft zu den Feen zurück,
wo es einstmals zuhause war.

Und dann,
irgendwann,
dann weinst Du dabei,
wenn Dein Hirn Dir kaltlächelnd sagt:
"Du warst gut, Werner, ein echt starker Mann!
Es ist doch gar nichts passiert!
Die Fee, das war ein Spiel und "echt klasse" Mann!
Was soll's,
Du bist doch so toll - - -
etabliert!"