Montag, 5. November 2018

 

Verführung kennt kaum Grenzen
Das Literaturcafé nahm sich eines dankbaren Themas von vielerlei Seiten an
 

VON MARKUS PETERS

Troisdorf.  
Von der Mokkatorte bis zur Liebesnacht reicht die Bandbreite der Verführungen, die das Literaturcafé 'in der 28. Ausgabe seiner „Rheinischen Literaturhefte" präsentiert. „Verführung ist ein sehr dankbares Thema", sagte Moderatorin Maggy Ziegler bei der Heftvorstellung im Kunsthaus. Sie schilderte in einem schwungvollen Vortrag, wie ein ambitioniert geplantes Schäferstündchen grandios scheitern kann.
  Zuvor hatte sich Petra Perrey mit dem Begriff Verführung auseinandergesetzt, ehe Hedwig Bäte ihn in ihren Gedicht poetisch mit Leben füllte. Der Held in Michael Blums Text will sich von Büchern und der schönen Buchhändlerin gleichermaßen verführen lassen, gerät angesichts des näher rückenden ersehnten Stelldicheins aber in Panik. Dietmar Paul ist für die schöne Guiletta entflammt, die zwar nicht aus Fleisch und Blut, dafür aber aus wohlgeformtem Blech besteht.
  Dieter Drechsler schafft es, den Verzehr eines Stücks Torte als wissenschaftlich zwingende Notwendigkeit zu begründen. Augenzwinkernd ist auch der Text von Jochen Zierau, mit 84 Jahren der Senior des Kreises. Als ihn die Frau, mit der er seit mehr als 60 Jahren zusammen ist, verführen will, ist er zunächst verdutzt. Aber die Holde hat spezielle sinnliche Genüsse im Blick. Doch die Verführung hat nicht nur angenehme Aspekte: Detlev Neukirch verknüpft die Marienerscheinung von Fatima mit der persönlichen Tragödie seiner Protagonistin.
Es ist bemerkenswert, wie viele Facetten  abgegriffenen Thema Verführung abgewinnen konnten. Ergänzt mit den Illustrationen von Troisdorfer Künstlern machen die Texte aus dem Heft ein Lesevergnügen.
Zur Nachwuchs-Rekrutierung dient der Poetry Slam des Literaturcafes, der in diesem Jahr ebenfalls unter dem Motto „Verführung" stand und dessen Siegertexte ins Jahresheft aufgenommen wurden.
Auf der Veranstaltung wurde auch an die langjährigen Literaturcafé-Autoren  

Maggy Ziegler, Dietmar Paul
Werner Hadulla, Dieter Faring und Ludger Trier sowie an die Illustratorin Ri Meuser von Eschmar erinnert, die vor kurzem gestorben sind.
Musikalische Akzente setzte Eileen Duong, die am elektrischen Piano Hits von Nickelback bis Ed Sheeran neu interpretierte. Die dynamischen Frauen-bilder von Beata Obst an den Wänden schienen wie für das Thema des Hefts gemacht.

Das Rheinische Literatur-Heft Nr.28 kann für sechs Euro im Internet bezogen werden.


Jochen Zierau, Petra Perrey





  Dienstag, 10. Juli 2018  Kölner Stadt-Anzeiger
 

Die Sieger des 3. Poetry Slam Troisdorf: Elena Ratzlaff, Horst Liedtke und Renate Frölig-Striesow (von links).   Foto: Peters Spielwiese der Wettdichter

Das Literaturcafé veranstaltete einen   Poetry-Slam zum Thema:  "Verführung"

VON MARKUS PETERS

Troisdorf. Hotte ist deutlich über 50 und nach eigenen Angaben „ewige Jungfrau"; gehemmt durch seine katholische Erziehung und zwei rustikale ältere Brüder. Bei einer Ü-30 Fete begegnet er der aparten Angelika und die Stunde der Wahrheit naht. Wie sehr das dem Dauer-Single zusetzt, schilderte Autor Horst Liedtke ebenso amüsant wie anrührend beim 3. Poetry Slam, den das Literaturcafe im Kunsthaus ausrichtete. Nicht zuletzt wegen des gelungenen Humors und dem engagierten Vortrag sicherte sich Liedtke den zweiten Preis bei dem Wettdichten.
 Das vorgegebene Thema „Verführung" erwies sich als geschickt gewählt, inspirierte es die neun angetretenen Autorinnen und Autoren zu sehr unterschiedlichen Texten. Jeweils sechs Minuten hatten sie Zeit, ihre Beiträge vorzutragen, ehe Moderatorin Maggy Ziegler zum Gong griff. Eine siebenköpfige Jury, bestehend aus literarischen Persönlichkeiten der Region, Mitgliedern des Literaturcafes und einer zufällig ausgewählten Zuhörerin, vergaben drei Preise zwischen und 100 und 300 Euro.
Oft sind Poetry Slams Spielwiesen für
den literarischen Nachwuchs, die meisten Autoren im Kunsthaus brachten aber allesamt einiges an Lebenserfahrung mit, was man den vorgetragenen Texten anmerkte.
Die 25-jährige Troisdorferin Elena Ratzlaff war die jüngste Teilnehmerin. Ihr dichter Text überzeugte durch Emotio-nalität und innere Spannung. „Eigentlich nervt mich alles und jeder", hieß es da. „Mein Körper ist jung und doch träge", konstatierte sie und bedauerte schließlich, „zum falschen Zeitpunkt erwachsen zu werden." Kompakte, reflektierende Prosa, die von der Jury mit dem dritten Platz belohnt wurde.
 Renate Frölig-Striesow war der Sieg aber nicht zu nehmen, nicht zuletzt, weil sie sich dem Thema am wohl unkonventionellsten näherte. Sie ließ in London einen britischen Polizeiveteran erfolglos gegen die Russen-Mafia ermitteln, ehe sie dem vermeintlichen Krimi mit einem geschickten Kniff eine völlig neue Wendung gab. Die erfahrene Autorin aus Bonn-Kessenich hat schon früher erfolgreich an Literatur-wettbewerben teilgenommen. Für die Troisdorfer Veranstaltung hat sie eine ältere Geschichte überarbeitet.

 Preiswürdige Vorträge

 Der Liedermacher Frank Breburda durchmaß in seinem Gedicht das Spannungsfeld zwischen Lust und Schmerz. Anja Jaeger skizzierte eine sinnlich-saftige Verführungsgeschichte, bei der sich ihr Objekt der Begierde als Schokoriegel erweist, weil das männliche Lustobjekt lieber Videospiele daddelt.
 Mario „El Toro" Görög führte die Zuhörer zurück in das Jahr 1942, in dem der Warschauer Kinderarzt Janusz Korczak 200 jüdische Waisenkinder in die Gaskammer begleitet. Ein beklemmender, intensiver Text, eindringlich vorgetragen, dessen einziges Manko war, dass er nichts mit dem Thema der Veranstaltung zu tun hatte.

 Abschließend bedankte sich Gastgeberin Maggy Ziegler ausdrücklich bei der deutschen Nationalelf für ihr frühes Ausscheiden bei der Fußball-WM. Hätten Deutschlands Elitekicker an diesem Abend gegen Brasilien antreten müssen, wären wohl kaum gut 120 Zuhörer ins Kunsthaus gekommen.




  Dienstag, 28. November 2017  Kölner Stadt-Anzeiger
   

Ohne Risiken und Nebenwirkungen
Das 27. Rheinische Literatur-Heft steht unter dem Motto „Verschreibungspflichtig“
VON ANNETTE SCHROEDER

Troisdorf. „Das Motto klingt vertrackt, lässt an Pillen und Krankheit, Risiken und Nebenwirkungen denken - aber auch an ungeliebte Pflichten und lästige Vorschriften: „Verschreibungspflichtig" hatte das Literaturcafe Troisdorf seinen zweiten Poetry Slam im Sommer betitelt. Dieses Motto durchzieht ebenfalls das 27. Rheinische Literatur-Heft als Jahrespublikation des Vereins - wie stets eine anregende Mixtur aus Texten,
Bildern und Zeichnungen, die jüngst im Kunsthaus Troisdorf vorgestellt wurde. Wie die Autorinnen und Autoren den roten Faden aufgreifen, straff spannen oder spielerisch auffädeln, stellt sich ganz unterschiedlich dar. Sei es, dass Maggy Ziegler ein Triptychon aus „Windpocken - Bandscheiben - Depression" kreiert oder das „Sollen - müssen" attackiert: mit einem Staccato an ironischen Ratschlägen, das dem Patienten um die Ohren gehauen wird. Sei es, dass Alina Blum „Über die Pflicht zu schreiben" reflektiert. Und damit über die Verpflichtung, Stellung zu nehmen zu Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Klimakrise.
  Das Spektrum reicht von der raffinierten „Faustiade" (Jochen Röhrig) über eine gemütvolle Geschichte im rheinischen Dialekt (Ludger Trier), die von der „Schlafkrankheit" eines Jupp Schmilz handelt, bis zum atemlos hingefetzten Rap „Dem Leben verschrieben" von Mario-el-toro und dem schillernden „Wortschatz" von Marion Lenden-Boos.Denn auch die Sieger des zweiten Poetry Slams durften sich im Heft verewigen, so dass auch Patricia Staudt mit einer Kostprobe aus ihrem einfühlsamen Text über „schwierige Fälle" in einer Kin-dertagesklinik präsent ist.
 Herrlich absurd liest sich das Rezept, das ein unbeirrbarer Beamter dem Herrn Öztürk - „ene echte kölsche Jung"  - für eine erfolgreiche Integration verordnen will (Dietmar Paul: „Nach Index"). Mit vielen rezeptfreien Tröpfen und Tabletten hangelt sich dagegen ein einsamer Verwaltungsrat durchs Leben, den ein medizinisches Fachbuch in einen Strudel der Hypochondrie reißt, amüsant beschrieben von Dieter Drechsler. Dazu passen Zeichnungen und Bilder etwa von Masoud Sadedin und Christel KlemkeKrocker. Launig räsoniert Detlev Neukirch über Alkohol als Gift, Genuss- oder Heilmittel. Und Jochen Zierau nimmt das Motto „Verschreibungspflichtig" wörtlich, wenn er den Clinch von Enkel Leo mit einer fragwürdigen Recht-schreib-Methode schildert. Was aber alle Autorinnen und Autoren verbindet, die in ihrer Freizeit zu Stift und Papier greifen, ist die Lust am Schreiben. Und diese „Schreiblust braucht keine Pflicht", wie Dietmar Paul befindet.



Das 27. Rheinische Literatur-Heft kann zum Preis von sechs Euro bestellt werden beim Literaturcafe, Blücherstraße 36, 53842 Troisdorf




  Dienstag, 11. Juli 2017  Kölner Stadt-Anzeiger
   

Dem kreativen Schreiben
verschrieben


Troisdorferin gewann den zweiten
Poetry Slam des Literaturcafés



VON ANNETTE SCHROEDER
Der zweite Poetry Slam widmete sich dem Thema "Verschreibungspflichtig" Mario Görög wurde Zweiter. Foto: Bröhl
Troisdorf. „Ohne jede Sicherheits-vorkehrung wie semantische Schutzweste, orthografische Pro-tektionshaube oder Tempus-Machete" begibt sie sich in den „linguistischen Dschungel". Da schlingen sich Interpunktionslianen ums Geäst der ABC-Bäume. Auf dem Weg wachsen auch „Wildwörter", und der Konrad-Duden-Acker bringt manch blühenden Unsinn hervor. „Hier darf noch alles wild, wirr und wüst wachsen."

Witzig-überdrehter Text
Was keineswegs auf die Prosa von Marion Lenden-Boos zutrifft. Mit ihrem witzig-überdrehten, vom Publikum umjubelten Text „Wortschatz" über den Prozess des Schreibens gewann sie den zweiten Poetry Slam des Troisdorfer Literaturcafes - ein verdienter Sieg, bot die Sekretärin aus Troisdorf mit diesem virtuos ausgeführten „Dreisprung aus Subjekt, Prädikat, Objekt" auch eine ganz unaufgeregte Performance.
„Ich habe mich dem Schreiben verschrieben", begann sie ihren Text in der Remise von Burg Wissem.
 In diesem Auftakt klang das mehr-deutige Motto des Poetry Slams an, das Moderatorin Maggy Ziegler zu Beginn des Abends kurz umriss: „Verschreibungspflichtig" - der Titel weckt Assoziationen an Medikamente, Risiken und Nebenwirkungen, aber auch an die Leidenschaft für eine Sache, der man sich „verschreibt", an Vor-schriften und moralische Pflichten. Neun Autoren hatten sich davon inspirieren lassen. Jeder Beitrag durfte fünf Minuten lang sein. Die flogen manchmal vorbei und zogen sich zuweilen in die Länge, je nach Qualität des Textes. Da gab es philosophische Betrachtungen über die „Pflicht, sich zu verschreiben" und den Mut, Fehler zu machen, Attacken gegen den Zeitgeist („Freiheit auf Rezept") oder eine Alltags-Geschichte über „Das große Ganze".
 Für das passende Timing am Gong sorgte Maggy Ziegler. Vor rotem Samtvorhang gestaltete die zweite Vorsitzende des Literaturcafes den Slam als ausgefeiltes Ritual, stellte die siebenköpfige Jury vor, ließ die Teilnehmer-Reihenfolge aus einem roten Hut ziehen und präsentierte den jungen Gitarristen Pascal Pohlscheidt.
  Der heizte die Spannung an und überbrückte schließlich auch die Pause, die durch die finale Beratung des Preiskomitees entstand. Die Geld-säckchen standen derweil schon bereit, hatte die Kreissparkasse doch für die entsprechende finanzielle Ausstattung des Preises gesorgt. So gab es 300 Euro für die Siegerin.
 Der Zweitplatzierte Mario Görög erhielt 200 Euro. Der Kölner hatte eine temporeiche Performance hingelegt -passend zu seinem Motto „Dem Leben verschrieben", das am Ende sogar die „Löcher aus dem Käse fliegen" und vergessen ließ, dass mancher Vers hart am Kalauer entlang schrammte („lieber tanz ich als G 20").
Dritte wurde Vorjahressiegerin Patricia Staudt aus Troisdorf, die 100 Euro für ihre einfühlsame Sicht auf vermeintlich „schwierige Fälle" in einer Kin-dertagesklinik erhielt. Urkunden und Rosen gab es für alle Teilnehmer. Und nachzulesen sind die Sieger-Beiträge demnächst auch: im neuen Rheinischen Literaturheft, das vom Literaturcafe am 5. November im Troisdorfer Kunsthaus vorgestellt wird.





  Rundblick Troisdorf vom 13. August 2016


 Den Nerv getroffen
 Riesenerfolg beim 1. Troisdorfer Poetry Slam

Alfred Froitzheim,
Musikschule Troisdorf
Die Troisdorfer Remise war bis auf den letzten Platz gefüllt, ja sogar auf die Treppe und Empore mussten die zahlreichen Besucher des 1. Troisdorfer Poetry Siam ausweichen. Das Literaturcafé hatte zu dem Wettbewerb unter dem Motto „Die Zeit danach" aufgerufen, und aus den eingegangenen Meldungen die ersten 11 zu der Veranstaltung geladen. Zwar wurden alle Beiträge mit großem Applaus bedacht, aber den Regeln entsprechend durften sich nur die ersten drei über attraktive Preisgelder freuen, wobei die stellvertretende Vorsitzende des Literaturcafés Troisdorf und Moderatorin des Abends Maggy Ziegler betonte, dass auch die anderen Vortragenden durchaus preiswürdige  Vorstellungen abgeliefert hätten. Ermöglicht wurde die Auslobung der Preisgelder durch großzügige Unterstützung seitens der Stadt Troisdorf und der Kreissparkasse Köln, die durch die stellvertretretende Bürgermeisterin Angela Pollheim und Herrn Steffen (KSK Köln) vertreten waren.
Für die musikalische Umrahmung
des Abends sorgte Alfred Froitzheim von der Troisdorfer Musikschule mit gekonnten Einlagen auf seiner Gitarre. Er hatte extra für den Auftritt seinen Urlaub um einige Stunden verschoben. Das Publikum dankte es ihm.
Die Beiträge der Preisträgerinnen waren von hoher Qualität und doch vollkommen unterschiedlich in ihren Ansätzen: Alina Bachmann erhielt den dritten Preis für die Darstellung der schwierigen Wandlung einer Außenseiterin („Sie war anders"). Der zweite Preis wurde Elena Ratzlaff für ihre poetisch melancholische Liebesgeschichte „Das Ende vom Lied" zugesprochen. Siegerin des Abends war Patricia Staudt die mit ihrem humorvollen Beitrag „Erstmal mächtig stolz" die Frage „was kommt nach dem Abitur?" erörterte.
Nachzulesen werden die prämierten Texte im 26. Rheinischen Literaturheft sein, das am 13. November im Kunsthaus Troisdorf vorgestellt wird. Ein besonderer Dank geht an Herrn Land vom Kulturamt für die tatkräftige Unterstützung.


Das Siegertrio: Alina Bachmann, Patricia Staudt, Elena Ratzlaff       Herr Steffen(KSK Köln), Frau Angela Pollheim
(Fotos Dieter Drechsler)

 Rundblick Troisdorf  -  13. August 2016 -  Woche 32  -  RMP  "Lokaler gehts nicht"






Literaturcafé Lesevergnügen im Salon

• Von Andreas Helfer
Troisdorf - Eine „schöne Sitte“ sieht Jochen Röhrig darin, wenn sich Freunde des geschriebenen Worts in Literatur-Salons versammeln. Und ganz im Sinne ihres Vorsitzenden bieten die Mitglieder des Troisdorfer Literaturcafés jetzt eine Art ambulanten Kulturservice an. Wer will, kann die Autoren des Vereins zu sich nach Hause einladen, wo sie aus eigenen und fremden Texten rezitieren. Den Auftakt machten jetzt Röhrig, Luce Eberlein, Dietmar Paul und Detlev Neukirch im Haus der Oberlarer Familie Seiler. Sehr zur Freude von Ulrike Seiler, die Mitglied des Literaturcafés ist und von ihren Vereinsfreunden auf diese Art gleich ein Geburtsgeschenk zum 43.
bekam. Während Paul Lyrik von Robert Gernhardt und den Text „Die russische
 Braut“ von Wladimir Kaminer rezitierte, steuerte Eberlein hintersinnig-autobiografische Texte bei. Röhrig las seinen Text „Ski“, in dem es um eine chaotisch-angeheiterte Geburtstagsfeier und Wintersport im Treppenhaus geht. Neukirch zeigte, welch handgreiflichen Folgen es haben kann, wenn man in Italien im falschen Zusammenhang das Wort „Moscone“ verwendet, das sich mit „Ruderboot“ ebenso übersetzen lässt wie mit „großer Schlaffer“, „Schmeißfliege“ und „lästiger Verehrer“. Röhrig zeigte sich zudem als Verwandlungskünstler und gab mit Zylinder und weißer Fliege gekonnt Couplets von Otto Reutter zum besten,so dass sich unter dem Strich ein ebenso originelles wie geistreiches und


 kurzweiliges Geburtstagsgeschenk ergab. Werner Hadulla, Dieter Faring und Ludger Trier sowie an die Illustratorin Ri Meuser von Eschmar erinnert, die vor kurzem gestorben sind. Musikalische Akzente setzte Eileen Duong, die am elektrischen Piano Hits von Nickelback bis Ed Sheeran neu interpretierte. Die dynamischen Frauen-bilder von Beata Obst an den Wänden schienen wie für das Thema des Hefts gemacht.
Das Rheinische Literatur-Heft Nr.28 kann für sechs Euro im Internet bezogen werden.

Ansprechpartner für die Reihe „Literatur bei Euch“ ist Initiator Detlev Neukirch, 02241 / 40 33 35.






Mitglieder für Literaturcafé gesucht.
Den Dichtern in Troisdorf fehlt der Nachwuchs

• Von Anette Schröder
Troisdorf - „Man müsste doch mal alle, die heimlich schreiben, hinter dem Ofen hervorlocken.“ Dort saß Jochen Röhrig als Autor selbst vor einem Vierteljahrhundert – bis er in einem Troisdorfer Lokal mit seiner Kroatisch-Dozentin Luce Eberlein zusammentraf. Beim Rotwein heckten sie den Plan aus, einen Literaturkreis zu gründen. Heute gelten der pensionierte Lehrer und die gelernte Chemotechnikerin (beide 70) als Vater und Mutter des Literaturcafés Troisdorf.
Lesen und Kritik üben im Literaturcafé

Der Name verweist aufs Kaffeehaus als Ort, an dem zwanglos Geschichten und Gedichte entstehen. Doch wenn sich die Mitglieder jeden ersten Donnerstag im Monat im Mehrgenerationenhaus Nahestraße treffen, wird selten geschrieben, sondern meist vorgelesen und Kritik geübt. Ein Hauch von Gruppe 47 und Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb weht dann durch den Raum. „Aber weil wir aufbauend miteinander umgehen, besteht die Gruppe immer noch“, meint Jochen Röhrig.
Keine Mitgliedsbeiträge
„Autoren sind autonom und haben ein Recht, so zu schreiben, wie sie wollen“, formuliert der pensionierte Deutsch- und Sportlehrer die wichtigste Regel des Vereins. Doch ebenso wichtig sei die Frage: „Können wir diesen Text veröffentlichen?“ Und zwar in den„ Rheinischen Literaturheften“, die stets
Ende des Jahres erscheinen und unter einem Motto stehen: „Jubeltage – ach, du liebe Zeit“ heißt es zum Ausklang des 25. Jubiläumsjahres. Jeder Autor verpflichtet sich, mindestens zehn Exemplare zum Preis von jeweils sechs Euro abzunehmen, damit die Kosten gedeckt sind. Denn das Literaturcafé erhebt keine Mitgliedsbeiträge – trotzdem bleibt die Zahl der Autoren mit rund 20 überschaubar. „Wir wünschen uns mehr jüngere Mitglieder“, sagt Pressesprecher Detlev Neukirch (63). Der pensionierte Bundeswehroffizier kam übers Lesen zum Schreiben: „Mit Anfang 20 dachte ich, wenn ich von jedem Literaturnobelpreisträger ein Buch lese, bin ich umfassend gebildet.“ Was Neukirch als „naiv“ bezeichnete, führte ihn aber von einem Roman zum anderen; ein weit verzweigter Weg, der kein Ende nimmt und ihm Lust machte, wie Hemingway zu schreiben. Keine Hobby-Autoren im Troisdorfer Vorstand „Das Forsche, das Machohafte hat mir in den 60er Jahren imponiert. Inzwischen orientiere ich mich mehr an Autoren wie Fontane, dessen Reisebeschreibungen ich schätze, oder am Humor von Mark Twain.“ Den Begriff „Hobby-Autor“ wehren die drei vom Vorstand übrigens ab: „Schreiben betrifft das ganze Leben. Es ist eine Form, sich mit der Welt auseinanderzusetzen, sie zu kommentieren und den eigenen Ort darin zu beschreiben“, sagt Jochen Röhrig, der schon als Jugendlicher schrieb. „Während des Germanistik-Studiums


passierte wenig. Literatur musste in Kästchen eingeordnet werden und zahlreichen Kriterien genügen.“ Erst als Röhrig Mitte der 70er Jahre einen Literaturkurs an der Schule leitete, „da  passierte es, dass ich eine Parabel erfand. Es entstanden Dinge, die zu schade zum Wegwerfen waren. Sie kamen in die Schublade.“ Ohne Resonanz kein richtiges Schreiben „Hat man keine Resonanz, bleibt das Schreiben sporadisch oder versickert wieder“, das weiß auch Luce Eberlein, die in ihrer Jugend viel Lyrik las – Lorca, Kaléko, Prevert: „Das leicht Melancholische hat mich gereizt.“ Als sie mit 22 Jahren nach Deutschland übersiedelte, „da fühlte ich mich in keiner Sprache zu Hause.“ Inzwischen schreibt sie ihre Gedichte auf Deutsch; „Ich habe mal versucht, sie in meine Muttersprache zu übersetzen und gemerkt, wie schwierig das ist.“ Eberlein zählt auch zu den Mitgliedern des Literaturcafés, die das jährliche Freiluft-Happening „Maienleier am Weiher“ mitgestalten und im „Literarischen Salon“ auftreten, den sich jeder Interessent nach Hause holen kann: Dann wird aus eigenen und fremden Texten gelesen, wozu auch das Werk des jeweiligen Lieblingsdichters gehören kann. Ein Höhepunkt ist für die Mitglieder auch stets die Präsentation des eigenen Jahresheftes, das diesmal am 2. November um 11 Uhr im Kunsthaus Troisdorf präsentiert wird – mit Klaus, dem Geiger, als musikalischem Gast.




 

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